Monat: Januar 2015

Erfolgreicher Start des Theaterprojektes „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ – Prävention zu Ehrverbrechen an Schulen in Baden-Württemberg

Erfolgreicher Start des Theaterprojektes „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ – Prävention zu Ehrverbrechen an Schulen in Baden-Württemberg

Bilkay Öney, Integrationsministerin Baden-Württembergs, stellt das von ihrem Ministerium unterstützte Präventionsprojekt zu Zwangsverheiratung vor. Foto: © TERRE DES FEMMESBilkay Öney, Integrationsministerin Baden-Württembergs, stellt das Präventionsprojekt zu Zwangsverheiratung vor.
Foto: © TERRE DES FEMMES
Am 7. Juli 2014 startete TERRE DES FEMMES das Theaterprojekt „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“, das bis Ende des Jahres an insgesamt 20 Schulen in verschiedenen Städten in Baden-Württemberg zu sehen sein wird. Nach der Premiere in Remshalden die von der baden-württembergischen Integrationsministerin Bilkay Öney eröffnet wurde, war das Theaterstück vor den Sommerferien noch in Sindelfingen, Mannheim und an zwei Schulen in Pforzheim zu Gast. Am 16. Oktober beginnt der zweite Block mit Aufführungen an zwei Schulen in Heilbronn.

Der Beginn des Präventionsprojektes wurde ganz bewusst einige Wochen vor Ferienbeginn gelegt: Ferienzeit ist für die meisten Schülerinnen und Schüler die schönste Zeit des Jahres. Für Jugendliche aus streng patriarchalen Familien kann der Familienurlaub im Heimatland der Eltern hingegen in eine (Zwangs-)Hochzeit münden.


Die Methode des Forum-Theaters – Mitmachen erwünscht!

Die SchauspielerInnen Canan Kir, Marie Scholz und Tobias Gerstner (Mensch:Theater!) stellen Szenen aus dem Alltag von Jugendlichen dar. Einschränkungen durch ein traditionelles Rollenverständnis, Jungfräulichkeit, Zwangsverheiratung und Homosexualität sind Themen, die auf der Bühne zur Sprache kommen. Direkt im Anschluss werden die Szenen mit dem Publikum diskutiert. Die Jugendlichen können in das Geschehen eingreifen und Handlungsvorschläge machen, wie eine Situation entschärft oder zu einem anderen Ende kommen könnte. „So etwas habe ich vorher noch nie gesehen. Ich fand es gut, dass wir gleich mitreden konnten“ meinte eine Schülerin nach der Premiere.

Szene aus dem Theaterstück „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“. Foto: © TERRE DES FEMMESSzene aus dem Theaterstück „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“.
Foto: © TERRE DES FEMMES


„Endlich haben wir darüber geredet…“ – Halbzeitbilanz des Projektes 

Im Anschluss an das Theaterstück ging es dann in Arbeitsgruppen, um das Erlebte zu vertiefen. Hier wurde zum Teil heiß diskutiert – ein Zeichen dafür, dass die angesprochenen Themen den Nerv der Jugendlichen getroffen haben.

Viele SchülerInnen notierten ihre Eindrücke in den Rückmeldebögen:

„Ich habe gelernt, dass man nicht so schnell aufgeben soll.“

„Dass gezeigt wurde, wie es bei manchen im Leben abläuft, dass es viele Dinge im Leben gibt, die man mit anderen besprechen sollte.“

„Weil wir darüber endlich geredet haben. Jemand musste dieses Thema ansprechen, weil es heute eigentlich akzeptiert sein sollte.“

„Ich fand es gut, da dieses Thema mich interessiert und ich leider einiges davon in meinem Leben sehen musste.“

„Die angesprochenen Themen, die einem nicht unbekannt sind & dass man endlich darüber mit anderen diskutiert.“

„Dass erklärt worden ist, dass man lieben darf wen man will, egal welches Geschlecht.“

Statistik der 1. Runde

Erläuterungen zu den Grafiken:

Geschlecht
In den meisten Fällen sind Mädchen von Gewalt im Namen der Ehre betroffen – teilweise aber auch Jungen. Das Theaterstück richtet sich gleichermaßen an Schülerinnen wie Schüler. Bisher haben nahezu gleich viele Mädchen wie Jungen das Theaterstück gesehen.

Alter
Ein Großteil der von Gewalt im Namen der Ehre Betroffenen ist minderjährig. Deshalb wurde das Theaterstück für Jugendliche entwickelt und wird an Schulen aufgeführt. Die Mehrheit der ZuschauerInnen waren Vierzehn- und Fünfzehnjährige.

Wie hat Dir das Theaterstück gefallen?
Ein eindeutiges Ergebnis: Der großen Mehrheit der SchülerInnen hat das Theaterstück gut oder sehr gut gefallen.

Fandst Du die Szenen/Themen interessant?
Die Themen des Theaterstücks (Konflikte mit den Eltern, Zwangsheirat, Homosexualität, Sexualität vor der Ehe und Familienehre) stießen auf großes Interesse bei den SchülerInnen.

Das Theaterstück ist eine Kooperation von TERRE DES FEMMES mit der Beratungsstelle YASEMIN in Stuttgart und der mobilen Theaterbühne „Mensch: Theater!“. Es wird aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds und des Ministeriums für Integration Baden-Württemberg kofinanziert.

Logo des Europäischen Integrationsfonds und des Ministeriums für Integration Baden-Württemberg

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Sommernachtszauber Presse

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Schauspiel: Absprung Theater in den Turley Barracks

Vom Zauber einer Nacht

Von unserem Mitarbeiter Bernd Mand

Hinter dem ehemaligen Kasino in den Turley Barracks, kuschelig zwischen wilhelminischer Außenmauer und dem ehemaligen Hotel Shabbyshabby, das in Zusammenarbeit mit dem Jugendkulturzentrum Forum im Frühjahr im Rahmen von Theater der Welt entstanden ist, hat sich das Absprung Theater seine kleine Sommerbühne gebaut. Hier, wo bereits den ganzen Sommer über ein volles Programm an Workshops und Konzerten stattfand, lud die Theatergruppe um Regisseurin Marie Scholz, die erst im Mai ihr Debüt im Forum mit „Von Targets und Tigern“ feiern konnte, zu einem flink gebauten Freiluftabend, der sich ganz und gar dem Sommer verschrieben hatte.

Fünfteilige Collage-Arbeit

Thematisch mehr als passend für einen Augustabend und so lag auch der Titel „Sommernachtszauber“ nicht weit für die fünfteilige CollageArbeit, die im gemeinsamen Entwicklungsprozess aller Teilnehmer in den letzten Monaten entstanden ist.

Und was unterm Strich hier auf der Bühne zu sehen war, ist ein kleinteiliges Motivspiel, das sich mutig in Stimmungswechsel stürzt, den Moment in den Mittelpunkt stellt und seine kurzen Geschichten mit ehrlicher Offenheit erzählt. Das vierköpfige Ensemble Carmen Konpoka, Jens Schuster, Mario Fix und Viola Becker baut dabei mit dem aus Glasgow stammenden Singer/Songwriter John Irvine einen dichten Abend mit knapp über einer Stunde Bühnenzeit, der mit viel Leichtigkeit und großer Unbedarftheit klassische Sommernachts-Motive mit überraschenden Wendungen verbindet und von den vielen Möglichkeiten einer Sommernacht erzählt.

Viel Shakespeare liegt dabei in der Luft, Börsenmakler bestimmen die Aktienkurse als Hobby-Alchimisten und beim nächtlichen Streifzug einer Jugendgang mit fällt ein tödlicher Schuss. Dazwischen blickt man zurück auf die verlorenen Liebe und lässt sich von Irrlichtern in den Mooren verführen, während John Irvine immer kommentierend die einzelnen Szenen mit eigenen Songs wie „Stone Cold“ oder Ebb und Kanders „Money Makes The World Go Around“ zusammenhält. Ein feiner, schlau gebauter Sommertheaterabend.

© Mannheimer Morgen, Montag, 01.09.2014

Sommernachtszauber Presse

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Neckarstadt-West: Theatergruppe Absprung begeistert

Sommer-Zauber auf offener Bühne

Sechs stolze, strahlende Gesichter und mehr als 40 begeisterte und beglückte Zuschauer: Die Akteure von Absprung, einer Theatergruppe im Jugendkulturzentrum Forum, hatten mit ihrer Premiere von „Sommernachtszauber“ auf dem Gelände der Turley-Barracks allerhand Gründe zu feiern: den Erfolg von vier Monaten harter Arbeit, ein wunderbares Gemeinschaftsgefühl, ein selbst geschriebenes Theaterstück und das alles für einen guten Zweck. Es war bereits das zweite Theaterstück, das Schauspielerin und Theaterpädagogin Marie Scholz einstudiert hatte.

Dieses Mal mit vier theaterbegeisterten jungen Menschen, die im „normalen Leben“ Sozialarbeiter im psychiatrischen Dienst (Jens Schuster), Arzt (Mario Fix), Studentin der Politik (Carmen Konpoka) oder Mitglied der Theaterakademie Mannheim (Viola Becker) sind. Durch das erste Stück motiviert, hatten sie Anfang Mai angefangen, das neue Stück und Rollen zum Thema Sommerabend zu entwickeln. „Über Sommernächten liegt oft ein besonderer Zauber“, so Scholz.

Das Absprung-Theater hat diesen Zauber mit kurzen Szenen eingefangen, die allesamt in einer Sommernacht spielen – mal romantisch, mal komisch, mal aus dem Reich der Fabeln und Legenden. Inspiriert von Neil Gaimans Roman „Sternwanderer“ wagte sich die Gruppe in eine Welt, die von magischen Wesen bevölkert ist: Nachts locken Irrlichter Wanderer auf Abwege. Die Luft ist erfüllt von Sirenengesang. Erzählt wird von einer verlorenen Liebe. Zwei finstere Gestalten betreten die Bühne. Der Meister (Mario Fix) und sein verrückter Lehrling (Jens Schuster) wollen die Welt erobern mit Magie und einer teuflischen Mixtur, die, ins offene Feuer gestreut, Flammen in den Abendhimmel zischen lässt. Die unheimlichen Gesellen entledigen sich ihrer Kutten. „Dann bis morgen um acht im Büro!“

Über die überraschende Wende lachte das Publikum herzlich. Die Zuhörer wurden anschließend beglückt durch ein romantisches Liebesabenteuer: „Rings lag schon die Nacht so barmherzig und mild, des Tages Getön war verklungen: Wir gingen selbander durchs weite Gefild und hielten uns selig umschlungen….“ – nicht nur Rilkes Gedicht endete tragisch. Der Puck aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ sorgte dann doch noch für einen fröhlichen Ausklang.

Gefühlvoll musikalisch untermalt wurden die Szenen von John Irvine, Singer-Songwriter aus Schottland. Für das zauberhafte Gesangs-Duett „Beneath you beautiful“ mit seiner früheren Studienkollegin Marie Scholz gab es stürmischen Applaus. Nach einer Pause hieß es „Bühne frei für die Zuschauer!“ – für Theater, Musik oder Poesie.

Alle Einnahmen des Abends werden an World Vision gespendet für die Hilfe von syrischen Flüchtlingen. Gefördert wurde das Theaterprojekt durch das Jugendkulturzentrum Forum und das Kulturamt Mannheim im Rahmen der Interkunst-Werkstatt. ost

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 03.09.2014