Presseartikel Absprung Theater UnFreiWillig Hier

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Theaterprojekt mit Flüchtlingen: So entgehen sie der täglichen Monotonie

„AbsprungTheater“ inszeniert mit Flüchtlingen das Stück „Unfreiwillig hier sein“ – Drei Aufführungen ab dem 12. Februar geplant

10.02.2016, 06:00 Uhr

Bunte Truppe: Das Mannheimer „AbsprungTheater“ erarbeitet mit jungen Flüchtlingen ein Stück. Foto: vaf

Von Wolf H. Goldschmitt

Mannheim. Tefik und Osama haben sichtlich Spaß. Wenn sie auf der Bühne stehen, vergessen die beiden den Alltag. Die Syrer sind zwei von acht Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren, die sich gerade künstlerisch ihrer neuen Heimat Deutschland annähern wollen. Das „Absprung Theater“ Mannheim gibt zur Zeit Flüchtlingen, die ohne Familie oder Verwandte in Sammelunterkünften der Metropolregion wohnen, eine gute Gelegenheit, der täglichen Monotonie zu entfliehen. Mit einem Stück über – was sonst? – die aktuelle Flüchtlingsdebatte.

„Realität trifft Schauspiel“, umschreibt Marie Scholz während einer Probe das Werk „Unfreiwillig hier sein“. Sie ist Theaterpädagogin und leitet das Projekt, bei dem auch der Stamm des Absprung-Ensembles einklinkt.

Alle Akteure gehen seit Oktober ambitioniert zur Sache. Osamas Motivation: „Ich will der deutschen Gesellschaft etwas für ihre Freundlichkeit zurückgeben“. Tefik möchte gerne, dass seine Eltern in Syrien, die ihm den Weg nach Deutschland möglich gemacht haben, stolz auf ihn sind. Beide Jungschauspieler sind dankbar, in einem ziviliserten Land Aufnahme gefunden zu haben. Allerdings vermissen sie ihre Angehörigen. „Und die widerwärtigen Ereignisse in der Silvesternacht, haben unsere Hoffnungen gedämpft, dass die Familien bald nachziehen können“, bedauert Osama. Dennoch bleibt die Hoffnung, das genau das kommende Theaterstück „ein neues Fenster zu den Menschen öffnet“.

Die Thematik ist wirklichkeitsnah. Eine Szene mit Symbolcharakter: Während hitzige Wortgefechte über den Sinn von Hilfsprojekten geführt werden, stehen die Betroffenen selbst unmittelbar daneben, ohne zunächst überhaupt wahrgenommen zu werden. Und dann werden sie doch gehört, jene Menschen, um die es genau genommen geht.

„Wir wollten schon seit längerem ein Stück zum aktuelle Thema machen“, erklärt Marie Scholz, „dabei war uns wichtig, dass wir nicht nur über die Menschen reden, die Zuflucht suchen, sondern dass wir sie in das Projekt mit einbeziehen.“ Und so haben sich die Jugendlichen ihre Rollen und die Musik – es wird Deutsch, Englisch und Arabisch gesungen – selbst erarbeitet.

Das mittlerweile dritte Bühnenstück des jungen Mannheimer Theaters ist aufgebaut wie eine Sitcom – es unterteilt den Abend in vier Episoden. Eine davon gehört ganz dem Auftritt der jungen Gäste. Die übrigen Episoden erzählen die Rahmenhandlung von vier gut gestellten Bürgern aus der Mitte der Gesellschaft, die straffällig geworden sind. Für ihre Fehltritte hat ihnen das Gericht anstelle einer Haftstrafe die Erarbeitung eines wohltätigen Projektes aufgebrummt. Zwangsläufig kommt früher oder später das Thema Flüchtlinge auf den Tisch.

Die kontroversen Charaktere in der ungleichen Gruppe sorgen trotz des ernsten Hintergrundes dafür, dass in dem selbstgeschriebenen Stück auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Unterstützt wird die Aktion vom Bundesprogramm Demokratie leben und der Werkstatt Interkunst, einer Kooperation von Kulturamt und Jugendkulturzentrum Forum Mannheim.

Info: „Unfreiwillig hier sein“ vom 12. bis 14. Februar im Jugendkulturzentrum Forum, Mannheimer Neckarpromenade. Freitag und Samstag 20 Uhr, Sonntag 17 Uhr. Eintrittsgelder als Spende an World Vision zugunsten von Menschen auf der Flucht.www.facebook.com/absprungtheater.

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