Präventionstheater

Premiere Mein Leben! Meine Liebe! Meine Ehre!

  • 9. Jul. 2014, 11:30

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07.07.14

Präventionsprojekt

Zwangsehe auf der Bühne und die Schüler mittendrin

Aus Expertensicht ist eine erzwungene Ehe „die Spitze der Eskalation“. Die Schule gilt als geeigneter Ort für Aufklärungsarbeit und kurz vor den Sommerferien als geeigneter Zeitpunkt, damit anzufangen. Von Marco Krefting

„Am Ende der Ferien war Daria mit ihrem Cousin verheiratet.“ So abrupt endet die Szene. Sie soll auf ein Problem aufmerksam machen, das nach Angaben der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes und des Integrationsministeriums in Stuttgart gerade in den Sommerferien eine immer größere Rolle spielt: Zwangsehen.

70 Prozent der Betroffenen seien jünger als 21 Jahre, 30 Prozent sogar minderjährig, macht Terre-des-Femmes-Mitarbeiterin Sandra Stopper am Montag in Remshalden (Rems-Murr-Kreis) deutlich. Laut einer Studie für das Bundesfamilienministerium meldeten sich im Jahr 2008 rund 3400 Frauen bei Beratungsstellen. „Das ist schon ein sehr weiter Schritt“, sagt Stopper. Die Dunkelziffer liege viel höher.

Monika Memmel, Abteilungsleiterin der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart berichtet, dass die Beratungsstelle Yasemin jährlich bis zu 200 betroffene Frauen im Südwesten betreut. Hinzu kommen ein paar Männer, weil es für sie keine speziellen Angebote gebe, und „vertraute Dritte“ wie Freunde, Lehrer, Ausbilder oder Polizisten.

In einigen Fällen sei das Ziel der Zwangsverheiratung eine Aufenthaltserlaubnis und die Flucht aus armen Verhältnissen in der Heimat, erklärt Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD). Sie wisse von Frauen, die in ihrer Not absichtlich die für die Einreise nach Deutschland erforderlichen Sprachtests nicht bestehen.

Gegen Gesetze und Wertvorstellungen

Und Öney macht deutlich: „Zwangsverheiratung ist eine Straftat.“ Seit 2011 sei es ein eigener Straftatbestand – eingeführt unter anderem auf Initiative des früheren baden-württembergischen Justizministers Ulrich Goll (FDP), wie Öney betont. „Es ist aber nicht nur gegen unsere Gesetze. Es ist auch gegen unsere Wertvorstellungen.“

Die Schauspieler der Gruppe „Mensch: Theater!“ wollen in der Ernst-Heinkel-Realschule in Remshalden mit den Schülern über Gewalt im Namen der Ehre diskutieren. Dabei geht es auch um das Verbot von Liebesbeziehungen, Sex vor der Ehe und Ächtung von Homosexualität. Immer wieder unterbrechen die Schauspieler die Szenen, um mit den Schülern über mögliche Folgen oder andere Lösungswege zu sprechen. Es ist der Auftakt für 20 Auftritte an Schulen in Baden-Württemberg samt Workshops unter dem Motto „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“.

Den Teil zur Zwangsverheiratung lesen die drei Akteure nur kurz vor, es folgt keine Spielszene. „Wir haben auf Extremfälle verzichtet und versucht, eher unterschwellig vorzugehen“, erläutert Tobias Gerstner, Intendant und Regisseur von „Mensch: Theater!“. Der Rest solle mit den Schülern erarbeitet werden. Memmel betont: „Zwangsverheiratung ist kein Akt, der aus dem Nichts entsteht.“ Die gezeigten Konflikte könnten aber dahin führen. „Die Spitze der Eskalation ist die Zwangsverheiratung oder der Ehrenmord“, sagt sie.

Die Schule als Schutzraum

Dass das Theaterprojekt gerade jetzt, kurz vor den Ferien startet, ist kein Zufall: In der Urlaubszeit gibt es laut Öney vermehrt Fälle von erzwungenen Hochzeiten. Auch der Ort ist mit Bedacht gewählt: „Die Betroffenen erleben die Schule als einzigen Ort, wo sie sich frei bewegen können, wo sie sich offenbaren können“, sagt Memmel. Mitschüler könnten als helfende Dritte eingreifen, meint auch Gerstner. „Als Opfer hat man oft nicht die Chance, sie zu wehren.“

Wichtig ist aus Sicht der Experten auch, dass Behördenmitarbeiter etwa in Jugendämtern und Jobcentern sensibilisiert werden. Zudem fragten Ausbildungsbetriebe oder ganze Schulkollegien nach einer entsprechenden Schulung. Auch wenn es keine aktuellen Zahlen gibt, gehen die Fachleute von steigenden Betreuungsfällen aus. „Weil das Bewusstsein steigt, dass es diese Angebote gibt“, sagt Stopper.

Oft sei der einzige Ausweg die sogenannte anonyme Flucht, erklärt Memmel. „Das erfordert sehr viel von den jungen Frauen.“ Diese seien in der Regel 17 bis 21 Jahre alt. Einige von ihnen hätten aber auch innerhalb von fünf Jahren wieder Kontakt zu ihrer Familie.

dpa/mic

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Präventionstheater

„ICH: Wert!“

ist ein Forumtheaterstück zur Thematik“Sexualisierte Gewalt”.

Spieldauer:
 45-60 Minuten

Zielgruppe:
Schüler der 5. -10. KlasseDas Stück „ICH: Wert!“ setzt sich mit den Grenzen der persönlichen Unversehrtheit auseinander.
Dabei beleuchten die Schauspieler gemeinsam mit dem Publikum Fragen wie:

  • Gibt es Beziehungen im nahen Lebensumfeld, die Grenzen überschreiten?
  • Wie möchte ich als Jugendlicher von den Erwachsenen behandelt werden?
  • Bin ich es wert, dass mein Nein akzeptiert wird?
  • Was ist, wenn ein Nein nicht gehört wird?
  • Was, wenn das, was früher in Ordnung war, es heute nicht mehr ist?
  • Wie kann ich mich und andere stärken/schützen?
  • Wo bekomme ich die notwendige Hilfe in einer Notsituation?

Die Schauspieler stellen in den Szenen verschiedene Formen sexualisierter Gewalt vor. Dabei begegnen sich die Protagonisten in den verschiedenen Lebensbereichen von Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jahren.

Das Stück soll die Jugendlichen für die eigenen Grenzen sensibilisieren und stark machen für ein Nein.
http://www.mensch-theater.de/index.php?article_id=60

„Sunpearl“

ist ein Forumtheaterstück zur Thematik“Sucht”.

Spieldauer:
 45-60 Minuten

Zielgruppe:
Schüler der 5. -10. KlasseDas Stück „Sunpearl“ setzt sich mit verschiedenen Formen von Sucht auseinander.  Den Kindern und Jugendlichen werden Situationen aufgezeigt, in denen die Protagonisten Versuchungen ausgesetzt sind.
Dabei beleuchten die Schauspieler gemeinsam mit dem Publikum Fragen wie:

  • Was ist eigentlich Sucht?
  • Wann ist ein Mensch abhängig?
  • Woran erkenne ich, dass ein/e (Mit) Schüler/in süchtig ist oder wird?
  • Bin ich selbst gefährdet?
  • Wie lerne ich Nein-Sagen?
  • Ist es wirklich nur der Gruppendruck der mich verleitet?
  • Wie komme ich aus dem Teufelskreis einer Sucht heraus, bzw. wie kann ich helfen?

http://www.mensch-theater.de/index.php?article_id=59

„AuswegLos“

ist ein Forumtheaterstück zur Thematik“Mobbing unter Jugendlichen”.Spieldauer: 45-60 MinutenZielgruppe: Schüler der 5. bis 13. Klasse

In dem Stück „AuswegLos“  werden verschiedene Gewaltsituationen aus dem Lebensumfeld Jugendlicher dargestellt.

Gewaltmeldungen und Stimmen im Zeitungsstil begleiten dabei die ersten Szenen, welche von einer „alltäglichen“ verbalen Gewalt unter Jugendlichen handeln.

Das Handlungsspektrum erweitert sich in den folgenden Szenen von Diskriminierungen in der Öffentlichkeit bis zur Ausübung von Gewalt gegen vermeintlich Schwächere, u.a. in Form von Mobbing gegen Behinderte.

Die Zuschauer erleben Situationen, die sich vielleicht auch in ihrem Umfeld, auf dem alltäglichen Weg oder auf ihrem Schulhof abspielen.

http://www.mensch-theater.de/index.php?article_id=58